"Rumba" auf der Musterbaustelle
Die umweltfreundliche Musterbaustelle Orasteig in Wien zeigt, wie sich beim Bauen von Wohnungen Abfälle und Feinstaub vermeiden und Ressourcen schonen lassen.

Mitte Juli lud Umweltstadträtin Ulli Sima zu einer Veranstaltung ein, bei der die Umweltfreundliche Musterbaustelle Orasteig präsentiert wurde. Neben einem schmackhaften Bio-Buffet erwartete die rund 50 ExpertInnen und PraktikerInnen aus dem Bau- und Umweltbereich ein Überblick über die aktuelle Wohnsituation in Wien, Bewertungskriterien zum abfallvermeidenden Bauen und die konkreten Erfahrungen bei der Baustellenabwicklung am Orasteig. Helmut Wanivenhaus von der Magistratsdirektion-Baudirektion eröffnete als Gastgeber die Infoveranstaltung. Als ReferentInnen konnten Wolfgang Förster vom Referat für Wohnbauforschung und internationale Beziehungen der MA 50, Herbert Greisberger, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) sowie Robert Korab, Wohnbauexperte von der raum&kommunikation Korab KEG gewonnen werden.
Am selben Tag präsentierten Umweltstadträtin Ulli Sima und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig im Rahmen der Dachgleichenfeier die bisherigen Ergebnisse der gesetzten Umweltmaßnahmen.
„Rumba" Schritte garantieren umweltfreundliche Baustelle
Auf dem Orasteig in Floridsdorf werden zurzeit insgesamt 426 geförderte Mietwohnungen gebaut.
Dasumweltfreundliche Projekt "WohnhofOrasteig"wird insgesamt 166 Wohnungen bieten und

zeichnet sich durch ein attraktives Wohnungsangebot aus, größtenteils mit sogenannter "Superförderung", was bedeutet, dass die erforderlichenEigenmittel mit durchschnittlich nur rund 50 Euro pro Quadratmeter sehr gering sind. Das Besondere am Wohnhof Orasteig: Bei diesem Projekt wurden eine Vielzahl von Umweltmaßnahmen im Rahmen von RUMBA und spezielle Anti-Feinstaubmaßnahmen gesetzt.
Der Name RUMBA steht für Richtlinien für umweltfreundliche Baustellenabwicklung. Gemeint ist damit eine Baustellenabwicklung mit einer ausgefeilten Logistik, die nicht nur alle Zu- und Abtransporte regelt, sondern bei der auch alle Kilometer, die die eingesetzten Lastkraftfahrzeuge in Zusammenhang mit der Bautätigkeit zurücklegen, dokumentiert werden. Als Grundlage für RUMBA dienen strenge Vorgaben bezüglich der Anzahl der gefahrenen Kilometer, aber auch hinsichtlich des

Einsatzes umweltfreundlicherer Lkws, an die auch die Förderung gekoppelt ist. Der Anreiz, sich an die Richtlinien der umweltfreundlichenBaustellenführung zu halten, ist für die Bauträger also entsprechend groß. Weiters sieht RUMBA vor, dass ein möglichst großer Anteil derTransporte per Bahn abgewickelt wird. Eine Sortierinsel für eine getrennte Abfallentsorgungdirekt auf der Baustelle sorgt dafür, dass Fahrten eingespart werden. RUMBA wird nicht nur beim Bau des "Wohnhofs Orasteig" durchgeführt, sondern kommt auch bei der Errichtung der öffentlichen Bereiche (z.B. Kanäle und Straßen) des gesamten Areals zum Einsatz.
Um die Feinstaubbelastung zu reduzieren wurden Maßnahmen wie eine befestigte Baustelle, die Abrollstrecke und die Baustellenberieselung durch Grundwasserbrunnen durchgeführt. Dadurch reduzierte sich die Feinstaubbelastung auf der Baustelle Orasteig erheblich. Die Erfahrungen werden nach Abschluss
des Projekts dokumentiert und evaluiert, um so Lehren daraus ziehen und Empfehlungen für andere Baustellen in Wien ableiten zu können. Denn eins steht jetzt schon fest: Auch mit einfachen, unkomplizierten Maßnahmen lässt sich (Fein)-Staub auf Baustellen vermeiden.
PraktikerInnen überzeugten sich vor Ort
In der anschließenden Diskussion mit Moderatorin Christiana Hageneder von der ÖGUT ging es um Fragen, wie die Stadt Wien weiterhin vorgehen wird, um umweltfreundliche Baustellen einzurichten und damit nicht nur Abfall zu vermeiden, Ressourcen schonend und Rohstoff sparend vorzugehen, sondern auch Kosten zu sparen. Es wurde auch darüber diskutiert, unter welchen Bedingungen dies sinnvoll ist und welche Kriterien dafür verankert werden sollten.
Die TeilnehmerInnen aus Baubranche, Bauträger, Vertretungen der Stadt Wien, etc. nutzten die Gelegenheit zum Informationsaustausch. Danach hatten die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, sich vor Ort von der Vorbildlichkeit der Baustelle zu überzeugen. Ewald Schmidl von der Porr Projekt und Hochbau AG erklärte bei einer Besichtigung die Besonderheiten der Musterbaustelle Orasteig.
Fachlich unterstützt wurde die Veranstaltung von zentralen AkteurInnen und Mitgliedern der Initiative „natürlich weniger Mist". Die organisatorische Vorbereitung der Veranstaltung führte die ÖGUT als Koordinierungsstelle Abfallvermeidung durch.
Downloads
- Präsentation "Wohnbau in Wien - Aktuelle Herausforderungen", Wolfgang Förster (711 kb)
- Präsentation "Bewertungskriterien zum abfallarmen Bauen", Herbert Greisberger (63 kb)
- Präsentation "Umweltfreundliche und Feinstaubarme Musterbaustelle Orasteig", Robert Korab(1649 kb)
- Bericht "Musterbaustelle - Bewertungskriterien zum abfallvermeidenden Bauen", 2007 (412 kb)



