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Sima/Maresch: Stufenplan für Plastiksackerlverbot

„Symbol der Wegwerfgesellschaft: 30 Minuten im Einsatz – 400 Jahre für Abbau!“ Sima und Maresch legten einen Stufenplan für einen österreichweiten Ausstieg aus den Plastiksackerln für jene Lebensbereiche vor, in denen sie sinnvollerweise durch Alternativen ersetzt werden können.
„Symbol der Wegwerfgesellschaft: 30 Minuten im Einsatz – 400 Jahre für Abbau!“

Für 85 % der Wienerinnen und Wiener sind Plastiksackerl „sehr schädlich“ oder „eher sehr schädlich“ für die Umwelt, 79 % der Befragten können „sehr leicht“ oder „eher schon leicht“ auf die Verwendung eines Plastiksackerls beim Einkauf verzichten und jeder zweite Befragte spricht sich für ein Verbot aller Plastiksackerl aus.

„Plastiksackerl sind ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft, sie sind Rüdiger Maresch - Umweltsprecher der Grünen, Umweltstadträtin Ulli Sima, Werner Boote - Regisseur von „Plastic Planet“durchschnittlich 30 Minuten in Gebrauch, der Abbau dauert in der Folge 400 Jahre. Es gibt keinen Grund, die Umwelt und die Meere mit Plastiksackerln zu verschmutzen, es gibt gute Alternativen und der Herr Umweltminister ist gefordert“, erläutert Umweltstadträtin Ulli Sima bei einem Mediengespräch mit dem Umweltsprecher der Grünen, Rüdiger Maresch, und Werner Boote, dem Erfolgsregisseur von „Plastic Planet“. „Abfallvermeidung muss in einer ökologischen Abfallwirtschaft höchste Priorität haben, darum sollen unnötige Plastiksackerl vermieden werden. Dazu sind gesetzliche Regelungen auf Bundesebene notwendig. Der Umweltminister sollte sich endlich an internationalen Vorbildern orientieren und Abfallvermeidung ernstnehmen“, so Maresch.

Die Regelungen, die Verpackungen betreffen, sind im Bundes-AWG festgeschrieben, landesrechtliche Verbote sind nicht möglich. Sima und Maresch fordern daher vom zuständigen Umweltminister ein nationales Verbot für Plastiksackerl, mit Freiwilligkeit käme man hier nicht weiter. Die Akzeptanz von Seiten der Bevölkerung für Maßnahmen ist gegeben, wie die eingangs zitierten Umfragen von IFES zeigen. Sima und Maresch legten heute einen Stufenplan für einen österreichweiten Ausstieg aus den Plastiksackerln für jene Lebensbereiche vor, in denen sie sinnvollerweise durch Alternativen ersetzt werden können:

Verbot von Gratissackerl beim Einkaufen (auch auf Märkten, auch jene für Obst und Gemüse)

  1. Substituierung von Plastiksackerl durch mehrfach nutzbare Sackerl (wie beispielsweise Stoffsackerl) und Sackerl aus nachwachsenden Rohstoffen
  2. 3. Generelles Verbot von Plastiksackerl
2.000 Tonnen Plastiksackerl in Wien pro Jahr

In Wien fallen laut Wiener Restmüllanalysen rund 1.500 – 2.000 Tonnen Plastiksackerl pro Jahr an. Das entspricht bei einem angenommenen Durchschnittsgewicht von 20 Gramm jährlich 75 bis 100 Millionen Plastiksackerl. Sie landen im Restmüll: „Ich möchte ein für alle Mal mit dem Mythos aufräumen, wonach wir die Sackerl für die Müllverbrennung bräuchten – das stimmt einfach nicht: Der Heizwert von Restmüll mit Sackerl beträgt 9100 kJ/kg, ohne Sackerl sind es 9000kJ/kg“, wobei der Restmüll auch noch bei 7.000 kJ/kg selbstständig brennen würde, stellt Sima klar. Die Stadt Wien vermeidet Abfall wo es geht und hat eine Vielzahl von Initiativen gesetzt, auch in Richtung Mehrweggetränkeverpackungen.

Plastic Planet – Auswirkungen auf Umwelt dramatisch

Spätestens nach dem Erfolgsfilm von Werner Boote „Plastic Planet“ weiss man um die Gefahren und negativen Auswirkungen von Plastik auf die Umwelt und die Gesundheit. Beginnend mit einem biografischen Rückblick in seine Kindheit – zu seinem Großvater, der in den 1960er Jahren Geschäftsführer der deutschen Interplastik-Werke war – spannt Boote den Bogen in die Gegenwart, in der Plastikprodukte allgegenwärtig sind. Boote reist um die Welt, beobachtet und befragt Menschen über ihr Leben inmitten von Plastik. Er stellt dar, wie allgegenwärtig Plastik in all seinen Formen geworden ist und wie Kunststoffabfälle bis in die entlegensten Gebiete der Erde verteilt werden.

„Mit meinem Film habe ich aufgezeigt, wie notwendig es ist, dass wir uns um die Plastikproblematik bemühen. Die danach entstanden Initiativen stimmen mich positiv. Ich freue mich über die Vielzahl an Projekten, wie "My Bag Is Not Plastic" in Wieselburg, zu denen mein Film den entscheidenden Anstoß geliefert hat. Auch die Ökoregion Kaindorf gibt Mut, genauso wie die engagierten Familien, die plastikfrei oder plastiksackerl-frei leben und damit zeigen, dass es sehr wohl geht“, so Erfolgsregisseur Werner Boote beim heutigen Pressegespräch.

Schlüssel liegt in Mehrweg

Plastiksackerl bestehen aus Polyethylen und werden aus Erdöl, einem fossilen Rohstoff, der begrenzt ist, hergestellt. Für einen Wegwerfartikel, für den es auch Alternativen gibt, stellt das eine sinnlose Verschwendung von Ressourcen vor allem in Hinblick auf die Verfügbarkeit für künftige Generationen dar. Sie werden in der Regel einmal verwendet, die Mehrfachnutzung ist der Schlüssel zur besseren ökologischen Verträglichkeit. Je öfter eine Tasche im Einsatz ist, umso mehr Plastiksackerl kann sie ersetzen. Langlebige Mehrwegtaschen können während ihrer Lebensdauer tausende Plastiksackerl ersetzen.

Modelle in anderen Ländern

  • In Italien gibt es seit dem 1. Jänner 2011 ein Plastiksackerlverbot. Es umfasst alle Tragetaschen, die nicht biologisch abbaubar sind. Tragetaschen, die biologisch abbaubar sind, sind weiterhin erlaubt. Damit soll die Umstellung auf wiederverwendbaren Stoffbeuteln oder Gummitaschen und  „Bio-Plastik“ vorangetrieben werden.
  • In Irland trat 2002 eine Verordnung in Kraft, die die Abgabe von 15 cent pro Stück Plastiksackerl festschreibt. Es gibt dabei Ausnahmen - für Verpackungen von frischem Fisch, Frischfleisch oder Geflügel, Obst, Gemüse, Nüsse, Süßwaren, Milchprodukte, Fertigspeisen oder Eis, soferne diese Produkte nicht selbst verpackt sind.
  • In Frankreich wurden Beschränkungen zur Abgabe von Plastiksackerln ähnlich Italien erlassen. Als Ergebnis haben große Lebensmittel-Einzelhandelsketten die Gratis-Abgabe von Tragetaschen eingestellt. Nun muss der Konsument Trage­taschen bei Bedarf kaufen. Die Anzahl der abgegebenen Tragetaschen wurde jedenfalls deutlich verringert. Weiterhin zulässig sind Tragetaschen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen
  • In den USA können Städte Regelungen im eigenen Wirkungsbereich erlassen. So hat etwa Los Angeles 2007 ein Verbot erlassen, in Washington DC ist nach Einführung einer Abgabe von 5 dollar-cent pro Tragtasche die Anzahl der Sackerl von rund 22 Mio pro Monat auf 3 Mio zurückgegangen.
  • In China gibt es seit 2008 Beschränkungen, Taschen dürfen nur noch gegen Entgelt abgegeben werden.
Ersatzmöglichkeiten – eine leichte Sache

Papiersäcke werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und verrotten innerhalb kurzer Zeit, somit stellen sie keine Gefahr für Lebewesen und keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes dar. Sie können überdies in Österreich hergestellt werden und fördern daher nicht die Abhängigkeit von Erdölimporten.

Mehrwegalternativen, die tatsächlich mit einer häufigen Nutzung verbunden sind, sind allen Einwegartikeln vorzuziehen. An Ersatzmöglichkeiten mangelt es nicht: Tragetaschen aus waschbaren Textilien wie Baumwolle oder aus Recyclingmaterialien, nicht zu vergessen die altbewährten Einkaufstaschen, –netze und –körbe. Auch langlebige Kunststoffsackerl, die klein zusammengelegt immer griffbereit sind, können eine sinnvolle Alternative gegen die Flut an Gratissackerln sein.

Bio-Plastik hält Lebensmittel länger frisch

"Bio-Kunststoffsackerl" sollten nur für bestimmte Anwendungen wie z.B. als Umverpackung für Brot, Obst und Gemüse empfohlen werden, um den Zusatznutzen längere Haltbarkeit und damit verbundener Vermeidung von Lebensmittelabfällen zu lukrieren. Die deutlich verbesserte Haltbarkeit von Brot, Salat, Äpfeln und Eierschwammerln wurde vom IFA Tulln in einer Studie im Vergleich zu offener Lagerung und zu Lagerung in Polyethylensäcken nachgewiesen. Durch die gute Wasserdampfdurchlässigkeit von Biokunststoffsäcken im Vergleich zu Plastik trocknen die Lebensmittel zwar etwas stärker aus als in Polethylen-Säcken, dafür entwickeln sich aber weniger Keime und der typische Geschmack bleibt länger erhalten. Die Stadt Wien befürwortet den Einsatz der sogenannten „ Biokunststoffe“, wenn die  ökologischen Rahmenbedingungen eingehalten werden: insbesondere kurze Transportwege, Gentechnikfreiheit sowie nachhaltige Produktion.

Wiens umfassende Maßnahmen zur Abfallvermeidung

Im Rahmen der Initiative „Natürlich weniger Mist“ setzt die Stadt Wien auf Bewusstseinsbildung und zeigt auf, wie die Wienerinnen und Wiener  selbst etwas ohne Qualitätsverlust zur Abfallvermeidung beitragen können.

Zahlreiche Projekte im Rahmen der Initiative „Natürlich weniger Mist“ zeigen wie es auch anders geht. So hat die IG Kaufleute Neubaugasse Stofftaschen produziert, die Stadt Wien hat die Aktion unterstützt, bei der ÖkobusinessPlanGala 2010 hat die Kaufmannschaft für ihre vorbildlichen Abfallvermeidungsmaßnahmen den Umweltpreis der Stadt Wien erhalten. Auch Ottakring hat die Förderaktion der Stadt Wien in Anspruch genommen und Stofftaschen für die Besucherinnen und Besucher des Brunnenmarkts produziert.

Die Stadtverwaltung selbst zeigt durch die verpflichtende Umsetzung ihres ökologischen Beschaffungs-Programms „ÖkoKauf Wien“, das kürzlich sogar den „Dubai Award“ erhielt, dass sie ihre Vorbildfunktion ernst nimmt, Mehrweg wird überall eingesetzt, wo es möglich ist.

Vorstoß der EU-Kommission – Sima begrüßt Initiative

Endlich gibt es auch auf EU-Ebene Bewegung in Sachen Plastiksackerl: Die EU-Kommission in Brüssel erwägt, Plastiksackerln mit einer eigenen Abgabe zu belegen oder generell zu verbieten. Ein EU-Bürger verbraucht laut EU-Kommission pro Jahr im Schnitt 500 Plastiksackerln.  2008 sind  in Europa laut Kommission insgesamt 3,4 Millionen Tonnen Plastiktragetaschen hergestellt worden, was dem Gewicht von mehr als zwei Millionen Pkws entspricht. Allein im Mittelmeer würden derzeit rund 200 Milliarden Kunststoffteilchen mit einem Gesamtgewicht von 500 Tonnen treiben.

Die Kommission hat kürzlich eine öffentliche Befragung gestartet. Sie will wissen, wie sinnvoll es wäre, Plastiksackerln mit einem Preis oder einer Steuer zu belegen, oder ob andere Lösungen wie ein EU-weites Verbot von Plastiktragetaschen eher Erfolg hätten. „Es ist höchste Zeit, dass die EU sich mit dem Thema befasst und entsprechende Schritte setzt – auch für Umweltminister Berlakovich gibt es längst keine Ausreden mehr! Die Plastiksackerlflut muss eingedämmt werden, Alibimaßnahmen und freiwillige Aktionen sind eindeutig zu wenig“, so Sima abschließend.

Videoausschnitt: Pressekonferenz zum Plastiksackerlverbot vom 26.05.2011

Rückfragehinweise:

Maga Anita Voraberger Mediensprecherin Umweltstadträtin Maga Ulli Sima Tel.: +43 1 4000 81353 Mobil: +43 664 1658655 E-Mail: anita.voraberger@wien.gv.at www.ullisima.at

Mag. Katja Svejkovsky Pressesprecherin Grüner Klub Rathaus Tel.: +43 1 4000/81814 0664 22 17 262 http://wien.gruene.at

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